Zusammenarbeit im Lichte des radikalen Konstruktivismus neu betrachten
Nach dem ich mich lange Zeit mit dem Konstruktivismus und mit der Kybernetik beschäftig habe, habe ich deren enorme Wirkung und Nutzen in der Erkenntnistheorie gesehen. Erkenntnistheorie zeigt sich in jeglicher Begegnung. Insbesondere in der Zusammenarbeit und Umgang mit Komplexen Themen mit mehreren Menschen. Sie hilft das Verständnis darüber zu erhöhen, wie wir Menschen die „Dinge“ (Wahrheit, Wissen, Realität) konstruieren und wie wir noch effektiver und erfolgreicher sein können.
Auf die folgende zwei Grundprinzipien baut der „radikalen“ Konstruktivismus auf (S. 48*):
1. Wissen wird vom denkenden Subjekt nicht passiv aufgenommen, sondern aktiv aufgebaut.
2. Die Funktion der Kognition ist adaptiv und dient der Organisation der Erfahrungswelt, nicht der Entdeckung der ontologischen Realität.
Wenn Wissen vermittelbar wäre, dann könnte es das Subjekt auch passiv aufnehmen. Wissen muss konstruiert werden, mit dem Hintergrund, dass es zur Organisation der Erfahrungswelt dient. Mit anderen Worten viable ist. Nun liegt die Aufgabe, das Können eines Lehrers oder des Trainers darin, die hinderlichen Einflüsse der Umwelt, welche die Konstruktion im Subjekt verhindern können, möglichst aus dem Weg zu räumen.
Die Tätigkeit, Wissen zu konstruieren ist ein bewusster Akt. Jegliche Verantwortung der Tat liegt beim Subjekt. Dem müssen alle Teilnehmende bewusst sein, nämlich, dass jede die Freiheit hat die Tat zu gestalten oder nicht. Der Verantwortung können sie sich nicht entziehen, unabhängig vom Ergebnis.
Mit dieser Voraussetzung gewinnt die Zusammenarbeit einen ganz anderen Charakter, nämlich, dass sie das Mitwirken aller Beteiligten zur Grundlage des Engagements und eigenverantwortliches Handeln macht.
Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche (und Lektüre .s.u.)
Herzlichst, ilker
*) Radikaler Konstruktivismus: Ideen, Ergebnisse, Probleme (suhrkamp taschenbuch wissenschaft), Ernst von Glasersfeldt)

